pierochiussi.com

Weiter Schreiben ist ein literarisches Projekt, in dem Autor*innen aus Kriegs- und Krisengebieten weiter veröffentlichen und sich mit in Deutschland ansässigen Autor*innen vernetzen können.

Ich bin Künstlerische Leiterin von Weiter Schreiben und habe es 2017 zusammen mit Ines Kappert gegründetAnfangs haben wir Autor*innen, die nach Deutschland geflohen sind, gefragt, was sie sich wünschen. Die Antwort lautete: „Weiter Schreiben“. Für Autor*innen ist es elementar, dass der Prozess des Schreibens nicht abbricht. Für Autor*innen aus Krisengebieten ist der Schreibprozess durch die politische Situation jedoch oft nicht nur unterbrochen, sondern manchmal sogar lebensgefährlich geworden. Wenn Autor*innen ihre Heimat verlassen müssen, fällt oft der eigene Sprachraum weg. Weiter Schreiben ist eine Plattform, die mit Übersetzungen auch das Gelesenwerden ermöglicht. Denn weiter schreiben zu können, bedeutet auch weiter gelesen zu werden.

Im öffentlichen Diskurs wird oft über Menschen aus Krisengebieten gesprochen, hier ergreifen sie selbst das Wort. Die Autor*innen von Weiter Schreiben bereichern den deutschen medialen Diskurs und bekommen über die Zusammenarbeit mit renommierten deutschsprachigen Autor*innen Zugänge zum deutschen Literaturbetrieb. In Tandems arbeiten die Autor*innen in unterschiedlichen Formen zusammen. Persönliche Begegnungen, literarischer Austausch und politische Diskussionen – das ist für beide Seiten wertvoll. Die so entstandenen Texte vertiefen den transkulturellen Dialog. Sie durchkreuzen Stereotype und ermöglichen den Zugang zu direkten Perspektiven aus heutigen Krisengebieten wie dem Irak oder Syrien. Menschen in Deutschland erfahren mehr über arabischsprachige Literatur und den Alltag in Krisengebieten.

Jeden Monat veröffentlichen zwei bis vier Autor*innen ihre Texte auf dem Online-Portal www.weiterschreiben.jetzt.  Die Texte werden von Künstler*innen aus Kriegs- und Krisengebieten bebildert. Die Autor*innen bei Weiter Schreiben kommen aus Syrien, dem Irak, dem Iran, dem Jemen und aus Afghanistan. Zudem schreiben Autor*innen der Roma und Sinti, die in Deutschland, Österreich oder Ungarn leben. Denn Krisengebiete sind nicht immer woanders, für einige sind sie mitten in Europa.

2018 erschien eine Anthologie im Ullstein Verlag unter dem Titel. „Das Herz verlässt keinen Ort, an dem es hängt“. 2018 hat das Projekt den „The Power of The Arts“- Preis gewonnen. Seit 2019 erscheint jährlich ein Weiter Schreiben Magazin.

„(W)Ortwechseln – Weiter Schreiben Briefe“ heißt unser neues, schon jetzt heiß geliebtes Projekt, das am 22. April 2020 gestartet ist. Schriftsteller*innenpaare schreiben sich über Persönliches und Poetologisches, über ihre Herkunftsländer und Kindheiten, über Pelikane, eine Erbfeindschaft mit Betonmauern, Zwillingshäuser in Shalamya und Tiflis und vieles mehr. Mit Pegah Ahmadi und Monika Rinck, Nino Haratischwili und Lina Atfah, Katerina Poladjan und Abdalrahman Alqalqaq, mit Dima Albitar Kalaji und Ramy Al-Asheq, Rasha Habbal und Ivana Sajko, Sabine Scholl und Mariam Al-Attar. Auf rbbKultur, unserem Medienpartner, habe ich dazu ein Interview gegeben. Dank an den Hauptstadtkulturfonds für die Förderung!

Weiter Schreiben ist ein Projekt von WIR MACHEN DAS / wearedoingit e.V. Es wird von dem Deutschen Literaturfonds, der Allianz Kulturstiftung und der Fondation Michalski gefördert. Es wurde in den ersten Jahren zusätzlich aus dem Hauptstadtkulturfonds, dem Goethe Institut und der Schering Stiftung und in Zusammenarbeit mit dem Gunda-Werner-Institut in der Heinrich-Böll-Stiftung realisiert.