AKTUELL

Herberts Büro

Herbert liest wieder! Und wer ihn wirklich kennenlernen möchte, der sollte sich in der dritten Folge seine Ausführungen über die Kulturgeschichte der Verwaltung anhören. Sie finden, dass klingt nicht gerade prickelnd? Haben Sie eine Ahnung! Hier spricht einer gleichermaßen leidend und augenzwinkernd über sich selbst und verrät die intimsten Geheimnisse seines Verwalterlebens, von dem ich schon seit Jahren denke, es ist Tarnung!

Ich weiß auch nicht, was mit mir gerade los ist, aber schon das letzte Buch, das mich wirklich überzeugt und inspiriert hat, war ein Angestelltenroman, nämlich Thomas von Steinaeckers „Das Jahr, in dem ich aufhörte mir Sorgen zu machen und begann zu denken.“ So schlau war schon lange kein Buch mehr. Und jetzt erzählt mir Herbert von einem weiteren „Leben im Büro“ (Christoph Bartmann), das mich überzeugt.
Hab ich’s schon gesagt? Besser als in dieser Episode war Herbert nie. Von mir aus können Sie mit der zweiten Empfehlung anfangen, dann sind Sie gleich mittendrin im Vergnügen.

Ach, so: und noch eine Neuigkeit: Herbert und ich ziehen jetzt gemeinsam nach Istanbul. Warum? Erzähle ich Ihnen das nächste Mal, hat auch was mit Orhan Pamuks Museum der Unschuld zu tun.

—16.05.2012

Tranströmers linke Hand

dpa
dpa

Ich hatte Ihnen noch einen Nachtrag zur litcologne versprochen, hier ein erstes Fragment:

Michael Krüger sagte: „So, und jetzt hole ich Euch den Tomas.“ Ein paar Momente vergingen, in denen der Saal den Atem anhielt, weil bis zum Schluß nicht entschieden war, ob Tranströmer sich wirklich auf die Bühne wagen wollte. Dann kam er, begleitet von Krüger und seiner Frau. Und im ersten Augenblick schien ihm aufzugehen, dass es die richtige Entscheidung war, denn er schmunzelte und schaute lange so ins Publikum. Ich weiß nicht, ob man seinen verschmitzten Ausdruck auf dem Photo sehen kann, oder ich mich nur daran erinnere…
Danach warf er seine linke Hand mehrmals mit einer solchen Verve in den Saalhimmel, dass ich am liebsten laut aufgelacht hätte. Seine Frau, Krüger und sein Übersetzer lasen Gedichte vor und sprachen über sein Leben. Tranströmers Stimme kam vom Band. Seine linke Hand kann immer noch virtuos Klavierspielen. Das ganze Leben in der linken Hand. Und so stand am Bühnenrand ein Flügel bereit. Aber Tranströmer spielte nicht, er schaute, schmunzelte und winkte. Für mich wurde das Versprechen trotzdem eingelöst.

—04.05.2012

Katharina Grosse bei Johann König

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Gestern Abend bei Katharina Grosses Ausstellung „They had taken things along to eat together.“
Sollte Euch Euer Leben lustlos, eingefahren, zu groß oder zu klein vorkommen: go!
Galerie Johann König. Dessauer Straße 6-7.

—28.04.2012

An der Angel

Twin Portraits and Other Paintings by Andrea Ventura

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Vita von Wedel schrieb in der FAZ: Mit der guten alten Malerei zu neuen Realitäten? Wie das geht, zeigt Andrea Ventura bei White Trash Contemporary in Hamburg.

Hamburger: nichts wie hin – noch bis zum 4. Mai! Ich habe ein kleines Bild von Andrea Ventura in meinem Wohnzimmer hängen und kann mich daran nicht sattsehen. Es angelt meinen Blick jedes Mal aufs Neue mit seiner Tiefgründigkeit, und ich habe den Fisch, der da zappelt, noch nie zu fassen bekommen. Dieses Phänomen ist Andreas Bildern allesamt eigen: sie entschlüsseln sich nicht und werden mit jedem Blick noch verlockender – so wie die Zwillingsdamen auf grünem Grund.

Andrea ist der Mann von Sophie Zeitz, meiner Freundin und Lieblingsübersetzerin (hat u.a. Joseph Conrad neu übersetzt), die auf meinen bereits dreifach korrigierten Manuskriptseiten immer noch mindestens fünf stilistische Volten vorschlägt, die natürlich alle Punktlandungen sind.

Sophie ist die Schwester von Lisa Zeitz (siehe mein Eintrag: Die Niemanns). Und spätestens jetzt ist klar, warum ich Ethnologie studiert habe: nicht nur, um mein chronisches Fernweh zu stillen, sondern auch, weil ich kaum etwas lieber tue, als Verwandtschaftbeziehungen (blutige und nicht blutige) herzustellen.

—27.04.2012

Zermurmeln, Spargelmeer und ein fast gemischtes Doppel

Unknown
Barbara Schindler ist eine gute Freundin von mir und Herbert, dem Lesenden (siehe unten: einmal im blauen, einmal im grünen Pulli), und hat gerade einen neuen Blog gestartet:
http://rhizomblog.wordpress.com/

Herbert findet schon lange, dass, so vernetzt wie Barbara ist, sie ein personifizierter Blog sei und deswegen die jetzt geschehene Materialisierung zwangsläufig geschehen musste. Ich finde, Herbert hat eigentlich immer Recht – bis auf seine Meinung über meine früheren Texte…

In Barbaras Blog wird ab jetzt rhizomatisch (falls Ihr nochmal Deleuze zur Bebilderung fürs Rhizom wollt, ebenfalls unten – zwischen blauem und grünen Pulli) über die Vernetzungen der Kunst berichtet bzw.,  um theoretisch genau zu bleiben: ereignet sich dort ab jetzt die Vernetzung der Kunst. Oder auch nicht. Es bleibt offen und vielversprechend.
Mir gefällt die Idee, und die Ereignisse, die sich bisher dort aus der Virtualität aktualisiert haben, gefallen mir auch. Und wenn ich jetzt nicht aufhöre, dann deleuzianisiere ich mich um Kopf und Kragen…

Bis jetzt gibt es auf dem rhizomblog ein fast gemischtes Doppel: Busstop/Postbox, ein Interview mit Barbara Wien über „Murmel“, ein Brandenburger Spargelmeer und eine Einladung zur Aneignung zu sehen, die sich hiermit weiter vernetzt.

—26.04.2012