Über mich

Übers Lesen und mein Bücherregal heute

In der Folge 15 des Videoblogs „Herbert liest!“ zeigt Ihnen Herbert Grieshop mein Bücherregal, das untere und das obere.

Wir sprechen über das Schüchternsein, Taiye Selasi, nicht über Elfriede Jelinek, aber umso mehr über unseren (nicht harmonisierbaren) Literaturgeschmack und unsere sich gegenseitig ausschließende Vorliebe für Heimweh- bzw. Fernweh-Philosophen. (Herbert hat Heimweh, ich: Fernweh – intellektuell, aber auch nicht-intellektuell, also zum Meer, zum Meer.)

Dann sprechen wir noch über meinen Giftschrank, gescheiterte Projekte, Hedonismus, abstruse Metaphysik und den Mittagsschlaf in der Nähe meines Schreibtischs.

Übers Schreiben und Aufbrüche
ins Ungewisse früher

Ich wollte schon als Kind ein Buch schreiben. Nie eine Geschichte, immer ein Buch. Und es war mir vollkommen klar, dass das Schreiben eines Buchs etwas anderes ist als das Schreiben eines Aufsatzes, obwohl ich beim Schreiben eines Aufsatzes aus der Perspektive einer 2 DM-Münze erstmals dachte: So könnte es werden, mein Buch.

Mit meinem ersten Buch habe ich so viele Male angefangen, dass meine Schublade platzte. Es ging immer um einen Baum, einen runden Platz und einen Brunnen. Keine Ahnung, warum. Mit neunzehn schickte ich schließlich einen dieser Baum-Platz-Brunnen-Texte mit schrecklichem Titel und selbstgemaltem Briefpapier an alle großen Verlage.

Der erste Absagebrief kam prompt – von Hanser. Der letzte Satz lautete: „Wenn Sie möchten, rufen Sie mich doch mal an und erzählen Sie mir, wie Sie zu diesem Roman gekommen sind, es würde mich tatsächlich interessieren.“ Ich schrieb sogleich zurück, was ihnen einfalle, so zu richten.Die Suhrkamp-Absage folgte auf dem Fuß: Das Manuskript sei absolut nicht zu veröffentlichen, aber man ahne, dass ich schreiben könne. Damals empfand ich auch das als Beleidigung.

Ich begann zu studieren und verstand fast nichts: In Philosophie noch weniger als in Ethnologie. Doch irgendwann verstand ich das eine Fach über das andere, und ich konnte Teile meines eigenen Denkens und der Denkmuster der Gesellschaft, in der ich lebte, ethnologisch betrachten – und war damit im philosophischen Denken gelandet.

Genau dieser leicht versetzten Welt bin ich seither auf der Spur.

Schreiben ist für mich ein Aufbruch ins Ungewisse. Um Aufzubrechen brauche ich eine Frage, die mich so umtreibt, dass ich sie nur schreibend erkunden kann. Dann legt der Dampfer ab – ohne Ziel.

Die Frage entsteht aus dem Bekannten, das mir plötzlich fremd wird. Es sind also die alltäglichen Themen, die mir  fragwürdig erscheinen: Wie wir heute lieben, wovor wir Angst haben, was wir uns wünschen, wo unsere blinden Flecken sich befinden, wie wir uns und über das/die Andere(n) konstruieren…

Nie mache ich ein Konzept, bevor ich mit einem neuen Text beginne, jeden Tag entscheide ich mich aufs Neue für den Blindflug. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass mein Denken nur dann im Erzählen aufgehen kann, wenn ich es seine eigene Geschichte finden lasse. Alles, was ich konstruiert habe, klingt auch konstruiert. Es ist so, wie Paul Valéry geschrieben hat: „Du bist die Stimme des dir selbst Unbekannten.“