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Mein Kinderausweisphoto und die RAF

 

Ich erinnere mich noch genau, wie ich beim Photographen zwei Sorgen hatte: Erstens wollte ich meine Zahnlücke nicht zeigen und zweitens wollte ich möglichst unauffällig aussehen, weil ich überzeugt davon war, Mitglied der RAF zu sein.

Zu dieser Zeit verbrachte ich Stunden vor den Fahndungsplakaten und war mir sicher, dass es nur noch eine Frage der Zeit wäre, bis  ich dort auch mein Gesicht in unterschiedlichen Ausführungen entdecken würde - mit Zöpfen und ohne, mit Brille und ohne. Meinen Eltern erzählte ich es nicht, zu groß war die Sorge, sie da mit reinzureißen.

Das Photo ist gerade zusammen mit einem Auszug meines ersten hochsentimentalen Romanprojekts Schattenzwilling in der von Florian Werner herausgegeben Anthologie "Wenn ich gross bin, werd ich Dichter. Frühe Texte bekannter Autoren" erschienen.

 

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Die ersten Lesungen

Man sieht es, glaube ich: Ich liebe Lesungen. Das Schreiben ist eine einsame Tätigkeit und eine langwierige. Drei Jahre habe ich an diesem Roman gearbeitet. In dieser Zeit war es sehr still. Eigentlich ist es immer sehr still. So sehr ich diese Art der Konzentration auch brauche, so wenig liegt sie mir.

Umso schöner, dass ich in der Woche nach dem Erscheinen gleich dreimal lesen durfte. Zuerst auf der Buchpremiere mit der leuchtenden Luzia Braun und der Buchhändlerinnen-Granate Sabeth Vilmar in der Kulturbrauerei.  Dann in der autorenbuchhandlung mit Christian Dunker und Marc Iven, die ich demnächst beide heiraten werde. Und gestern Abend mit Ulla Lenze und Florian Werner im me-collector's room und einem Gespräch, das ich mir gewünscht, wenn ich es geahnt hätte.

Heute ist es wieder still hier an meinem Schreibtisch. Doch wenn solche Abende hinter mir liegen, dann ist die Stille ganz bei mir.

 

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Zehnseiten-Lesung

Das ist die Kurzversion der Lesung, die mit dem Satz: "Wahrscheinlich war ihr Sex ein Egozentriker, der keine Kinder mochte" endet. Damit hier ja und bloß kein falscher Eindruck entsteht, können Sie sich auch die ganze Lesung auf www.zehnseiten.de anschauen. Die endet anders.

Und: wer noch keine Karten für die Buchpremiere morgen, 26.2. um 20 Uhr, im Maschinenhaus der Kulturbrauerei hat, kann sie auch direkt im wunderbaren Georg Büchner Buchladen bestellen. Freue mich sehr auf alle, die kommen!

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lilan leopold

Ein Lebenszeichen

Das ist meine Cousine Lilan mit ihrem Kater Leopold. Sie ist so krank, dass sie seit Jahren das Haus nur noch für Arztbesuche verlassen kann. Wie man trotzdem lebt, habe ich mir letztes Jahr in unserem FAZ-Blog "Ich. Heute. 10 vor 8." versucht zu erklären.

Letzten Juni hatte sie angefangen, einen eigenen Blog zu schreiben, einen Trotzdem-Blog: Take These Broken Wings. Doch dann bekam sie einen Rückfall, der so schlimm war, dass sie für Monate abtauchen musste. Ich habe sie lange nicht mehr gesehen. Wir tauschen Nachrichten aus, wenn sie kann.

Vor ein paar Tagen hat sie in ihrem Blog wieder einen Text gepostet, über letzten Juni, über ihr Leben und unseres: On a Late Afternoon in June. Es ist ein Lebenszeichen - trotz allem.

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Die erste Rezension

Heute darf ich das: eine Rezension posten. Ich darf das, weil heute Erscheinungstag ist, und ich schon den halben Tag  versuche, eine komplizierte Torte zu backen, um meiner Nervosität die Kaprize von Biskuit entgegenzusetzen.

Also, falls jetzt doch noch alles zusammenfällt, lese ich eben noch mal, was Claus-Ulrich Bielefeld eben im Kulturradio gesagt hat.

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Was Brody mit meinen Nächten zu tun hat

Ich habe Sophie Weigand für ihren Blog "Literaturen" ein paar Fragen beantwortet. Welches Autorenklischee ich erfülle, was ich machen würde, wenn ich nicht schreiben könnte und wie das mit der Schlaflosigkeit so ist.

Wenn Sie wissen wollen, was Brody aus HOMELAND mit meinen Nächten zu tun hat und warum ich bei Klaviermusik an Matrix denken muss und immer noch auf meine erste Arie hoffe, lesen Sie: Bitte übernehmen Sie, Annika Reich! 

Warum ich Majoran und Maria für unterschätzt halte, bleibt übrigens mein Geheimnis.

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Nachtkiste

Habe ich je was gegen Montage gesagt?

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"Die Nächte auf ihrer Seite"
S. 113: Reigen


»Hoffentlich nimmt er uns überhaupt. Wir haben ja nicht diese massiven Probleme wie die anderen. Wir besprechen dein Sexthema und dann sind wir durch. Dreimal schätze ich«, sagt die Frau. »Drei Sitzungen.«
Der Mann sagt nichts.
Sie gehen durch den Hof. Beide tragen Stiefel.
»Nur das mit dem Peitschen mache ich nicht«, sagt sie jetzt leiser. »Darüber brauchen wir auch da oben nicht nochmal zu diskutieren, nur damit das klar ist. Wenn du kniest, verliere ich den Respekt.«
»Wäre noch geiler«, sagt der Mann.
Sie schenkt ihm einen eiskalten Blick.

Nach einer Viertelstunde kommen sie wieder zurück.
»Hab ich’s doch gesagt, er nimmt uns nicht«, sagt die Frau.
»Du hast es abgebrochen.«
»Ja, und weißt du auch warum? Ich knie nicht vor einem Mann, auch nicht vor dem Herrn Therapeuten.«

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"Die Nächte auf ihrer Seite"
S. 34: Reigen


Der Mann hat einen Strauß weißer Tulpen in der Hand, der eng mit weißem Papier umwickelt ist. Er läuft so neben der Frau her, dass ihr Gesicht verdeckt bleibt. Man sieht nur ihre schmalen, grauen Wildlederstiefel, Teile eines enganliegenden Kostüms, die Ausläufer frisch frisierter, kastanienbrauner Haare und einen kleinen, schwarz-weiß gefleckten Hund, den sie anstelle einer Handtasche trägt. Ihr Schritt verrät, dass sie Beachtung gewohnt ist.

Als der Mann kurz stehen bleibt, um sein Telefon auszuschalten, gibt er ihr Gesicht frei. Es gleicht einem kubistischen Gemälde – so sehr sind Wangen, Mund und Augen gehoben und verschoben, aufgeplustert und gezerrt.

Auf den Treppen hebt die Frau, die wie ein Kätzchen aussehen will, das Hündchen hoch und küsst es auf die zitternde Schnauze.
Nach einer Stunde kommt das Paar zurück. Der Strauß ist jetzt zerknautscht, der Kubismus tränenreich.

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Annika Reich_Die Nächte auf ihrer Seite

Gleich die zweite Lesung in der autorenbuchhandlung

Als Studentin habe ich im Café der Akademie der Künste und im Alten Museum gejobbt. Direkt neben der Kaffeemaschine war der Bücherstand, und an dem standen Marc und Jo. Das war extrem praktisch: wir tauschten Espressi gegen Romane, Croissants gegen Lyrik, Milchschaum gegen Meerschaum.

Marc Iven und Jo Fürst leiten inzwischen zusammen mit dem wunderbaren Christian Dunker die autorenbuchhandlung am Savignyplatz. Und da darf ich gleich einen Tag nach der Buchpremiere, also am 27.2. um 20 Uhr, lesen. Wer im wilden Westen wohnt, oder Freitagabend noch toller findet als Donnerstagabend oder die autorenbuchhandlung verehrt, der sei hiermit herzlich eingeladen!

Karten bitte hier vorbestellen:

http://www.autorenbuchhandlung.com/webapp/wcs/stores/servlet/EventsPageView/Events/Header_2_EMS/18705/4099276460822233274/-3///

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